matchdigital

"Möglichst früh um die Nachfolge kümmern" - Interview mit Armin Pfannenschwarz, DHBW Karlsruhe

Was Alt-Unternehmer bei einer Übergabe beachten sollten

Armin Pfannenschwarz ist Professor für Unternehmertum an der Dualen Hochschule Karlsruhe und Leiter des Studiengangs Unternehmertum. Er weiß, worauf es bei einer Unternehmensübergabe ankommt.

Die Übergabe seines Lebenswerks bedarf einiger Vorbereitung und Umsicht. Daher ist es ratsam, die Meinung eines Experten einzuholen. Auch die Digitalisierung kann einige Stolpersteine bereithalten, wenn man kein Fachmann ist. Matchdigital hilft, diese Stolpersteine zu umgehen und vermittelt Ihnen den passenden Partner für Ihr Digitalisierungsvorhaben und berät auch für eine optimale Unternehmensübergabe: 

Wie bereiten Alt-Unternehmer ihr Unternehmen auf einen Verkauf oder eine Übergabe vor?

"Für beides gilt: Den bestmöglichen Job als Unternehmer machen! Das Unternehmen zukunftsfähig aufstellen, richtig positionieren und keinen Investitionsstau zulassen. Ein gut laufendes Unternehmen ist am besten verkäuflich und/oder die beste Ausgangsposition für die nächste Generation der Familie." 

Wann sollte man sich um die Unternehmensnachfolge kümmern?

"Grundsätzlich so früh wie irgend möglich. Auch als Gründer oder Noch-nicht-Senior ist es sinnvoll, zum Beispiel einen Notfallkoffer zu packen, falls man unvorhergesehen ausfällt. Für Inhaber-Unternehmer ist es ab etwa 55 Jahren sehr empfehlenswert, sich mit der Nachfolge zu beschäftigen: Je mehr Zeit für die Umsetzung bleibt, desto eher lässt sich das Ergebnis optimieren."

Was sind häufige Fehler?

"Die Fehlermöglichkeiten sind praktisch unbegrenzt - als Unternehmer übergibt man seinen Betrieb ja nur ein einziges Mal und hat daher kein Erfahrungswissen. Bei einer familieninternen Nachfolge 'klammern' einige, sie wollen also nicht richtig loslassen, sondern immer noch die Zügel in der Hand halten. So kann sich die nächste Generation nicht eigenständig entwickeln. Bei einem Verkauf hegen viele unrealistische Vorstellungen über den Unternehmenswert. In aller Regel zahlen Dritte nicht das, was man sich erhofft. Lehnt man dann empört ab, hat man schon einen Interessenten verbrannt. Die nächsten werden aber in der Regel auch nicht mehr bieten."

Welche Qualifikationen wünscht ein Alt-Unternehmer von seinem Nachfolger?

"Den Senioren würden in aller Regel Klone ihrer selbst wählen. Soweit ist die Gentechnik aber leider noch nicht. Diese Aussage ist natürlich überspitzt, aber naturgemäß betrachten die Inhaber alles aus der eigenen Perspektive und beurteilen dementsprechend auch potenzielle Nachfolgende. Für den langfristigen Erfolg des Nachfolgers ist es aber erfahrungsgemäß weniger relevant, ob man alles genauso macht wie die vorherige Generation oder völlig anders  es gibt viele Wege zum Erfolg."

Inwieweit sollte sich ein Unternehmer auf einen Nachfolger aus der Familie verlassen?

"Das hängt immer vom Einzelfall ab. Auch heute noch bevorzugen die meisten Inhaber den ältesten Sohn als Nachfolger - falls vorhanden. Häufig sind aber andere Kinder motivierter und geeigneter. Töchter werden immer noch regelmäßig übersehen oder nicht richtig gewürdigt. Auch wenn ein oder mehrere Nachfolger aus der Familie vorhanden sind, sollte man die Alternative einer Fremdnachfolge immer mitdenken. Es gibt viele Fälle, in denen die Kinder zwar schon jahrelang im Unternehmen sind und sich selbst auch immer als Nachfolger/in gesehen haben, sich dann aber dennoch für einen anderen Lebensweg entscheiden. Das kommt meist bis zu einem Alter von etwa 35 Jahren vor. Solange die Familiennachfolger also jünger sind, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Unternehmensnachfolge?

"Die Digitalisierung ist die beherrschende Innovationsströmung unseres Zeitalters. Sie betrifft jedes Unternehmen und jeden Nachfolger, doch die Art und Weise unterscheidet sich sehr. In manchen Fällen muss ein konventionelles Geschäftsmodell erst einmal um einige digitale Aspekte angereichert werden, damit es weiter funktioniert. In anderen Fällen sind größere Veränderungen nötig, bis hin zu Revolutionen im Unternehmen."

Sollte ein Unternehmer vor einer anstehenden Übergabe noch in die Digitalisierung investieren?

"Nur, falls er weiß, was er tut. Digitalisierung ist ja kein Selbstzweck, sondern dient zur Umsetzung oder Unterstützung der unternehmerischen Ziele. Nur indem man mehr IT-Hardware und -Software einkauft, hat man die Digitalisierung noch lange nicht bewältigt - hier geht es in der Regel um Fragen des Geschäftsmodells. In vielen Fällen - sowohl familienintern als auch extern - kann, will und sollte der Nachfolger das übernehmen. Das klappt dann auch meist gut, sofern die Generationen hier sachorientiert zusammenarbeiten."


----------

Armin Pfannenschwarz, Jahrgang 1965, ist Professor an der Dualen Hochschule Karlsruhe in der Fakultät Wirtschaft. Dort leitet er den Studiengang Unternehmertum und ist zudem Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften wurde er geschäftsführender Gesellschafter im Familienunternehmen, bevor er es aus strategischen Gründen verkaufte. Später promovierte er zum Thema "Nachfolge und Nicht-Nachfolge im Familienunternehmen" und gründete parallel eine eigene Firma. 

Tags

Digitalisierungsfahrplan

Rechtsberatung Digitalisierung

Aus-/Weiterbildung Digitalisierung

Autor dieses Posts
matchdigital Management GmbH

matchdigital Management GmbH

matchdigital vereint alle Vorteile der Digitalisierung auf einer Plattform: Machen Sie den Digital Check für Ihre Unternehmensstrategie und finden Sie passende Digitalisierungspartner für Ihre Projekte - einfach, schnell und transparent. Wir verbinden Unternehmen und managen die daraus entstehenden Digitalisierungsprojekte.