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Digitalisierung - Der Weg in die schöne neue Welt?

matchdigital im Gespräch mit Florian Kurz (CEO bamero AG) (Teil 2 von 3)

Digitalisierungsvorhaben im eigenen Unternehmen anzugehen, ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. In unserem zweiten Gespräch mit Florian Kurz (CEO bamero AG) unterhalten wir uns darüber, welche Denkweise Unternehmer auf dem Weg in die Digitalisierung weiterbringt.

Im vergangenen Gespräch haben wir darüber gesprochen, dass sich bei Digitalisierungsvorhaben dem Unternehmen immer ein Mehrwert bieten muss. Wie wichtig ist die Kostenfrage in der Digitalisierung?

"Wenn man die Kosten nicht im Blick behält, scheitern Digitalisierungsprojekte. Anfangs wird eine schöne neue Welt versprochen. Man redet über Chatbots, Blockchain und andere neueste Technologien. Aber im Endeffekt stellt man spätestens nach zwei Jahren fest, dass viel Geld in diese Themen geflossen ist, aber wenig bis nichts zurück kam. Ganz klar, die Informatik ist auch ein bisschen Schuld an diesem Umstand. Natürlich finden wir es auch toll, neue Technologien zu haben und zu benutzen (lacht). Meine Aufgabe als Vorstand bei bamero ist es natürlich auch, unser Unternehmensziel immer im Blick zu haben und zu prüfen, für welche Technologie es sich lohnt, Geld auszugeben und zu investieren."

Wie reagieren Ihre Kunden auf diese Strategie?

"Mit der entsprechenden unternehmerischen Ausrichtung können sich durchaus viele Geschäftsführer, auch großer Firmen, vorstellen, mit uns Digitalisierungsprojekte anzugehen. Aber es gibt definitiv Hürden, bis man zu einer gemeinsamen Ebene findet.Oft gilt es hier unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen: Überzeichnet gesprochen hat man auf der einen Seite den Geschäftsführer im Ledersessel mit Manschettenknöpfen und Krawatte und auf der anderen Seite den jungen Informatiker mit Turnschuhen und zerrissener Jeans. Der junge Informatiker hat ein neues Geschäftsmodell vorgestellt und möchte den Geschäftsführer davon überzeugen und dafür begeistern. Aber kann er sich in die Sorgen des Geschäftsführers hineinversetzen, der sich um 120 Mitarbeiter kümmern muss? Hat er für sein neues Geschäftsmodell auch diese Perspektive mit bedacht? Für ein erfolgreiches Digitalisierungsprojekt braucht es beide Sichtweisen."

Wie schaffen Sie es, eine gemeinsame Ebene mit Ihren Kunden zu finden?

"Wir konzentrieren uns auf die Prozesse in einem Unternehmen und und schauen uns diese mit der "Digitalisierungsbrille" an. Wir überlegen, an welcher Stelle in der Wertschöpfungskette sich die Digitalisierung denn tatsächlich lohnt. Hier mache ich als Unternehmer auch mal einen Schritt zurück und überlege, ob die Organisation diese Veränderung verträgt und welche Konsequenzen das fürs Change Management hat. Die Frage, die wir dabei immer stellen, ist: Wer verwendet am Ende die Technologie und wer steuert sie? Der Mitarbeiter muss die Technologie verwenden (wollen) und der Geschäftsführer muss sie steuern. Diese beiden Ebenen versuchen wir über die Prozesse zu vereinen. Wenn ein Mitarbeiter die Technologie nicht anwendet, läuft man am Ziel vorbei. Das ist unser Fokus."

Worauf müssen Sie besonders achten, wenn Sie komplexe Prozesse digitalisieren?

"Was wir oft nicht wahrhaben wollen ist, dass sich Prozesse immer wieder verändern. Wenn ich heute einen Prozess modelliere, ist er morgen vielleicht schon obsolet. Das kann ganz viele Gründe haben, weil es eine neue Software Version gibt, sich Aufgaben von Mitarbeitern ändern oder neue dazu kommen. Wir müssen uns klar machen, dass Prozesse nur eine Diskussionsbasis sind, ein Snapshot von der jetzigen Zeit. Mit dem Prozessmodell selbst habe ich noch nichts gewonnen - aber wenn wir die Prozesse analysieren und dann sagen "Jetzt digitalisieren wir diesen konkreten Schritt, hier haben wir dieses oder jenes Problem." - dann wird es konkret und die Digitalisierung wird greifbar."

Wie lautet Ihre Definition von Digitalisierung?

"In der Informationstheorie heißt Digitalisierung häufig Automatisierung. Was heute manuell läuft, soll morgen automatisch passieren. Dazu muss noch kein Roboter im Einsatz sein, das geht auch schon über einen Algorithmus. Das ist die eine Definition.Der andere Ansatz, der einen größeren Mehrwert hat, ist die Frage: Wer hat Zugang zu Informationen? In der Logistik gibt es das Logistik-Paradigma, damit quälen sich die Studierenden manchmal rum (lacht). Das Paradigma besagt: Für funktionierende Logistik brauche ich das richtige Produkt, zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und in der richtigen Menge. Das Gleiche gilt für Informationen.

Hierzu ein klassisches Beispiel eines Produktionsauftrags: Der Auftrag läuft durch die Produktion. Jeder, der mit dem Auftrag in Berührung kommt, sieht die Informationen zu diesem Auftrag. Das Problem besteht jetzt darin, dass der Mitarbeiter vom vorherigen Schritt nichts mehr zu diesem Auftrag nachvollziehen kann, wenn alle Infos dazu z.B. auf einem Laufzettel stehen, den jetzt der nächste verantwortliche Mitarbeiter hat.Wo ist das Problem? Der Mitarbeiter vom vorherigen Schritt sieht den Auftrag nicht mehr und der nach ihm hat die Informationen auch noch nicht, wenn sie nur auf diesem einen Zettel stehen. Wenn ich diese Informationen digitalisiere und auf eine Plattform bringen kann, haben mehrere Menschen gleichzeitig darauf Zugriff, bekommen ein umfassenderes Bild des Auftrags und können sich besser auf ihre Arbeitsschritte vorbereiten.

Alles was danach kommt, ist Visualisierung, das heißt, entweder ich visualisiere meine Daten nun anders oder ich ziehe Schlüsse aus Daten, die ich vorher nicht hatte. Das ist Digitalisierung. Fast jedes Problem kann man so klassifizieren. Unser Geschäftsmodell ist es, den Kunden hierbei zu helfen und diese Veränderungen strategisch und auf der Prozessebene anzugehen. Digitalisierung bedeutet in diesem Sinn auch immer Organisationsänderung, denn Verantwortungen verändern sich. Diese Veränderungen im Informationsfluss an richtiger Stelle vorzunehmen, das ist unser Job. Die Darstellung beläuft sich alles in allem auf Nullen und Einsen - hier hat sich noch nicht viel verändert."


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Die bamero AG: "Digitalisierung ohne Sinn und Struktur ist zwecklos. Wir schaffen Transparenz und Verständnis über Arbeitsabläufe, IT-Einsatz und unentdeckte Potentiale. Für spürbare Mehrwerte und echte Innovation in Ihrem Unternehmen." www.bamero.de

Foto: Das bamero Team

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